Interview am 12.08.2009:

Die „schelmishe“ Philosophie

Auch in die schelmishe Philosophie gewährten uns die Schelme anlässlich des Interviews am 12.08.2009 einen ausführlichen Einblick:

Dextro: Die Band Schelmish hat eine Philosophie und ist ein eigenes Gebilde. Es ist auch egal, wer bei der Band spielt.  Es kann immer mal sein, dass Leute hier weg brechen, selbst aus dem alten Kader, aber dann wird die Band trotzdem noch weiterlaufen. Schelmish wird nicht gemessen an den Leuten, die in der Band spielen. Wir sind halt n ganz anderes Produkt der Szene, wir sind ne Band der anderen Kategorie. Es gibt hier eine gewisse Philosophie und diese Philosophie wollen wir auch verbreiten, wir wollen sie nicht verkaufen, wir wollen sie verbreiten. Die heißt einfach, sei ehrlich, halte zusammen und sei treu. Oberste Priorität ist Schelmish, und wer seine Prioritäten irgendwo anders hingelegt, passt hier nicht rein. Das war im ersten Jahr so und das wird auch bis zum letzten Jahr so sein. Und wer diese Aufgabe nicht erfüllen kann, der geht. Und deshalb würde ich mich auch nie versteifen auf ne gewisse Sache. Klar wärs schöner wenn man mal sagen kann, wir haben endlich mal ne Besetzung, die fünf, sechs sieben Jahre läuft und das alles mit einander durchspielt, durchlebt. Das wäre ne super geile Sache. Aber man muss einfach abwarten, was da kommt. Klar sind wir bemüht, den Leuten, vielmehr den Fans, irgendwann mal ne Besetzung zu präsentieren, wo wir sagen, dass ist unsere endgültig Besetzung. Normalerweise ist es in dieser Musikbranche so, dass die Band sich auflöst, wenn der erste geht – das wär bei uns dann schon vor fünf sechs Jahren so gewesen. Aber das war uns nie wichtig, weil wir gesagt haben, wir wollen als Band weiter. Und ich merk es ja auch, Anfang des Jahres hat man uns ja schon tot gesagt. Da hieß es dann, Rimsbold ist raus aus dem Mittelalter – alles tot. Also, die Leute, die unsere Mittelalterkonzerte gesehen haben, wissen, wir sind alles andere, nur nicht tot. Und wir haben unsere Rock-Shows gespielt und mussten auch sagen, wir sind nicht tot. Wir sind immer noch da, wir sind auch immer noch die Alten. Wir haben jetzt Leute gefunden, wo man einfach mal gucken muss, was passiert. Ich hab ein gutes Gefühl bei den meisten Leuten und, ja und wo ich halt kein gutes Gefühl habe, da werden wir halt sehen, was da passiert, einfach schauen. Es wird so lange weitergehen, bis die Band geschlossen sagt, und zwar die Leute alle geschlossen sagen, hier ist fertig, wir haben keinen Spaß mehr. Dann hört es auf. Klar ist es wichtig Geld zu verdienen, die Shows sind teuer, die wir fahren,  und wir leben davon also muss das Geld rein kommen. Aber im Endeffekt ist es grundsätzlich wichtig, dass der Spaß im Vordergrund steht.  Du musst Fan-nah sein, das ist viel Arbeit.

  

Die Fans sind Euch sehr wichtig? 

Dextro: Ja für mich persönlich sind die Fans am Wichtigsten. Und das seh nicht nur ich so, das sehen die anderen auch so und sollte es mal nicht so sein, dann müssen wir dran arbeiten. Fans sind diejennigen, die es uns ermöglichen einen Traum zu leben. Und dass Du einen Traum leben darfst, in der heutigen schnelllebigen Zeit und damit auch noch Geld verdienst, ist sehr selten. Es ist viel Arbeit, gar kein Vertun. Wir haben neulich Leute mal für einen Tag mit auf die Reise genommen, die davon keine Ahnung hatten. Sie meinten hinterher,  was habt Ihr für ein hartes Leben. Aber ich seh das Leben nicht als hart. Ich finde es gut und ich kann meinen Traum damit leben.  Es gibt also keine Entschuldigung dafür, warum ich den Fans gegenüber unfreundlich sein soll. Wenn mir Leute auf den Sack gehen, klar, dann sag ich das auch. Es gibt halt Leute, die gehen „over the top“. Das ist damit auch nicht gemeint. Aber grundsätzlich muss man sich  nicht scheuen mal n Autogramm zu geben oder ähnliches, weil das gehört einfach dazu, weil es macht die Leute glücklich. Und ich freue mich, wenn ich abends nach nem Auftritt, egal, wie mega anstrengend das war – noch mal ne halbe Stunde nach draußen gehen kann und ich sehe lachende Gesichter.  

Das ist aber auch was, was Euch die Fans sehr hoch anrechnen; was man immer wieder hört, dass Ihr wirklich ne Fan-nahe Band seid, die auch nach nem Auftritt sich eben nicht irgendwohin verpieseln, sondern wirklich den Leuten auch Rede und Antwort steht.  

Dextro: Ja das ist halt Grundvoraussetzung in der Band. Weil, es ist egal, selbst, wenn ich 30.000 Leute vor der Bühne hätte, ich würde immer abends noch einmal rauskommen. Natürlich kannst Du keine 30.000 Leute zufrieden stellen. Das ist utopisch. D.h. also, Du sprichst hier und da mal ein kurzes Wort, schreibst hier und da Autogramme, und dann gehst Du wieder zurück, weil es manchmal einfach  zu viel wird. Aber das wirst du immer können und wir sind halt wirklich eine der wenigen Bands, was ich so erlebt habe, die das machen. Gut, wir ziehen jetzt auch keine 30.000 Leute, aber ich sag trotzdem … 

Hai: Mit der nächsten CD schon …  

Dextro: Dann wird der Hai ganz persönlich als Basser 30.000 Autogramme schreiben.  

Dann wird der neue Basser aber direkt viel zu tun bekommen ;-)  

Dextro: Wir haben bis jetzt das große Glück gehabt, aus jeder Umbesetzung stärker hervorgegangen zu sein. Nicht desto trotz sind wir immer noch mit den alten Leuten zusammen. Fragor hat neulich Schlagwerk gespielt, als Samtron nicht spielen konnte, und hatte auch richtig Bock. Hat auch gesagt, ey, wenn mal was ist, komm ich jeder Zeit, Sakepharus neulich auch. Also die Leute sind uns immer noch verbunden. Weißte, am Anfang biste am sicken, ist natürlich alles Scheiße und irgendwann sagst du aber, Schwamm drüber, alles ok. Das hat ja auch unser 10-Jahres-Jubiläum gezeigt. Es gab Leute, die wir eingeladen haben, die auch alle gekommen sind, ohne der Wimper zu zucken und hatten irrsinnig viel Spaß. Und es gibt Leute, die laden wir nicht mehr ein. Daran kann der Fan eigentlich  sehen, wo jetzt wirklich richtige Differenzen gewesen sind, auf die wir keinen Bock mehr drauf haben, weil es nicht in unsere Philosophie passt. Die Philosophie ist zumindest mir persönlich extrem wichtig.  

Ja, aber der Großteil ist halt doch beim 10-jährigen gewesen, und das spricht für sich.  

Dextro: Ja natürlich.  

Dass man nicht mit Jedem immer 100%ig klar kommen kann, und dass es immer Sachen gibt, die einen auseinander bringen, ist ne ganz andere Frage.  

Dextro: Das ist halt so.  

Letztendlich denke ich mal, dass Schelmish aufgrund der eigenen Philosophie nicht nur 100 sondern 150 % gibt, und das auf Dauer durchzuhalten, schafft halt nicht jeder. 

Dextro: Ist ja in Ordnung, aber dann passt er auch nicht in unseren Trupp. 

Das heißt ja nicht, dass man sich deshalb nicht mehr kennt. 

Dextro: Das ist fernab davon. Aber es ist halt ein wichtiger Bestandteil, dass Du das geben kannst, denn sonst kannst Du als Band nicht funktionieren und ich sehe die Sache, die ich hier mache als Berufung. Das ist nicht mein Beruf und schon gar nicht mein Job, es ist eine Berufung. Ich habe das große Glück gehabt, noch einmal die Chance zu bekommen, im hohen Alter auf tollen Bühnen zu spielen , mich weiter zu bewegen und ich nutze diese Chance. Es ist für mich auch ganz klar, dass ich die Chance nutzen möchte, weil es mordsmäßig Spaß macht, und nicht jeder Mensch hat das Glück, das machen zu dürfen. Das sollte man sich immer vor Augen halten, Wir haben neulich ne sehr lange Grundsatzdiskussion darüber gehabt, was Erfolg ist. Und weisst Du, vielleicht ist Erfolg nicht, dass wir viel Geld verdienen, in die Charts kommen oder sonst was. Wir haben auf andere Art und Weise Erfolg ..treue Fans, wir lernen Leute kennen, die uns die Möglichkeit geben in Stonehange zu  spielen, sowas kann keiner bezahlen. Das ist einfach ein Geschenk, bei dem man sagt „Wie geil ist das denn“? Und da könntest Du selbst ein Angebot von „Rock am Ring“ bekommen, ich würde Stonehange dann vorziehen, weil ich dann einfach sage, dass ist ein ganz persönlicher Erfolg den man hat. Das erlebt nun mal nicht jeder Mensch. Klar würde ich auch gerne auf „Rock am Ring“ spielen.

Seit nunmehr mittlerweile 10 Jahren, sage ich mir, das ist o.k. so; es wird vielleicht nicht mehr dieser große, wirtschaftliche Erfolg kommen, aber dafür haben wir Erfolg auf ganz anderer Linie und das ist uns persönlich wichtiger.  

Ich denke mal, dass spricht auch ein stückweit für Euch, weil Ihr seid Euch treu geblieben.  

Dextro  Auf jeden Fall. 

Dieses „Mainstream-Denken“ ist Euch irgendwo abgegangen und das ist sehr wichtig, weil, Ihr realisiert das, was für Euch eine größere Bedeutung hat. 

DesDemonia: Das Einzige, was mich daran nervt, ist: Wir würden auch gerne viele Leute erreichen, aber das geht so natürlich viel, viel langsamer.  

Picus: Ja, aber ehrlicher. 

Dextro: Aber es dauert halt lange und es zehrt aus. Weil Du merkst so nach 10 Jahren, hättest Du vielleicht noch mehr Leute erreichen können, aber, es geht halt viel langsamer, wenn Du nicht im Mainstream bist. Du musst kämpfen. Wenn Du das mit 20 Jahren machst, ist das alles in Ordnung. Wenn Du das mit 40- 50 machst, dann fällt Einiges schwerer. Du kannst dann nicht mehr so über die Bühne toben, wie Du gerne möchtest, und viele Sachen einfach nicht mehr machen, die Du mit 20 hättest machen können. Und das tut dann irgendwo schon ein bisschen weh. Aber nichts desto trotz, ich möchte mich nicht beklagen, es geht langsam aber stetig voran, und das ist in Ordnung.

Es spricht nichts dagegen, Disziplin und Ehrgeiz an den Tag zu legen und Spaß zu haben, aber es ist sehr schwer, das zu vereinbaren. 

DesDemoina: Man überarbeitet sich sehr schnell, das ist wirklich wahr. 

Habt Ihr überhaupt keinen Einfluss darauf, wo Ihr heute oder morgen spielt? Macht das alleine der Booker? 

Dextro: Zum Teil schon. 

Manchmal stelle ich mir die Frage: Wie schaffen die das? Spielen heute im Süden, morgen im Norden. 

Picus: Weil wir verrückt sind. 

Ihr wart z.B. in Neunkirchen und zuvor in Dänemark. Wie macht Ihr das?

Dextro : Das machen wir nur, weil wir Spaß daran haben, dass ist das Einzige, sonst würden wir das nicht tun. Aber  es strengt halt auch an, man ist wie gerädert, fix und fertig, und muss am nächsten Tag wieder präsent sein. 12 Stunden auf einem Markt präsent, d.h. nicht schlafen, sondern Du musst einfach immer da sein. Du darfst auch die Leute nicht anfahren, und wenn Du die richtige Einstellung hast, fällt halt die 1. Stunde extrem schwer, aber nach der 1. Stunde, ziehst Du das mit Herz durch. Und das ist wichtig.  

Picus: Das bezieht sich auch auf den Tag auf „Mera Luna“ . Jetzt mal ungelogen und ohne Übertreibung, da hat jeder max. ne dreiviertel Stunde geschlafen. Die meisten haben noch nicht einmal ein Bett gehabt. Wir sind von Rheydt in Bonn angekommen und mussten uns dann nach eineinhalb Stunden, voll gepackt, auf den Weg nach Mera Luna machen. Tja, das ist halt so, das ist die Arbeit, die wir tun und das machen wir auch gerne. Schlafen können wir, wenn wir tot sind.

Dextro: Genau! Dafür haben wir dann lange Zeit. Es ist halt ein Leben auf der Überholspur, musst halt nur immer aufpassen, dass Du nicht in die Leitplanken fährst.  

Obwohl, darauf müsst Ihr kräftig aufpassen! 

Dextro: Ja, wir sind bemüht und fahren immer nur 80 km/h *Gelächter* 

Alle Fans die das schon mal mitgemacht haben und Euch ein Wochenende nachgefahren sind, wissen, dass man danach auf dem Zahnfleisch geht und als Fan hat man nicht auf der Bühne gestanden und noch 1-1/2 Stunden Programm gemacht. 

Dextro: Ja, natürlich. Aber er hat trotzdem die Strapazen auf sich genommen und ist hinter uns her gefahren. Und vielleicht kann man hier mal ne „Brücke“ schlagen. 

Deswegen wechseln wir vielleicht auch so viel. Die Leute sind irgendwann mal fix und fertig und es kommt immer drauf an, was steckst Du für ne mentale Energie rein. Ist Deine mentale Energie gut ausgeglichen, so ying-yang-mäßig , ziehst Du das Ding 20 Jahre durch, und hast viel Spaß dabei. Ist sie nicht ausgeglichen, dann ziehst Du das Ding keine 2 Jahre durch. Das ist ganz einfach so. Du musst wissen, ob es Dir das wert ist. Mir persönlich ist es das wert, sonst wäre ich nicht von Anfang an dabei und hätte ich schon lange die Hufe gestreckt, aber ich sage mir es ist eine Berufung und das ist eine schöne Berufung. Ich kann mir eigentlich nichts Schöneres vorstellen, auch wenn es anstrengend ist, aber Du merkst die Anstrengung nicht direkt, erst viel später. Was mir zum Beispiel beim  10-Jahres-Jübiläum auf Satzvey aufgefallen ist war, dass wir gar keine Zeit hatten, das auszukosten. Wir hatten gar keine Zeit das richtig zu realisieren. Es  waren so viele Leute da und wir hatten so einen Spaß. Wir haben 5 Stunden Programm gespielt und du hast nicht gemerkt,  dass Du fertig warst. Du warst voll gepumpt mit Adrenalin und hast strahlende Gesichter gesehen.  Wir haben uns um 03.00 h zum ersten Mal in die Hände geschlagen: „Oh Mann war das geil“!!! Ich war schon viel zu müde, um festzustellen, was an dem Abend wirklich passierte. Das kam bei mir persönlich erst 2 Tage später. Dann hab ich mir alles erst mal langsam durch den Kopf gehen lassen und gedacht, „Was war das für ne Mega-Show, was für geile Fans, was hat das für einen Spaß gemacht und - was hat Dir das gebracht. Echt viel! Da standen Hunderte von wirklich treuen Fans, die teilweise Tränen in den Augen hatten vor Lachen oder vor sonst was.  Und Du denkst, oh wie geil ist das; Du stehst auf der Bühne und darfst das mit erleben. Weißt Du, und dann kommen noch so Leute, wie Michael Rein von InExtremo, was er eigentlich gar nicht vor hatte, weil er auf einem Level ist, wo er das eigentlich gar nicht mehr so machen kann, auf eine Zugabe mit raus. Den Leuten vor der Bühne fällt fast ein Ei aus der Hose, weil sie einfach denken, eh, wie geil ist das denn? Ich hab mich tierisch gefreut, dass das passiert ist und das ist halt so`n Ding: Wir haben uns eine gewisse Art von Respekt von Leuten verdient, die sagen, wir respektieren Euch. Das ist ne coole Sache. Den Respekt musst Du Dir aber auch erst verdienen, was eben auch anstrengend ist. Du musst konstant am Ball bleiben und Dein eigenes Ding machen, darfst nicht hier oder da kupfern, sondern wirklich Dein eigenes Ding durchziehen. Verdiene Dir die Leute. Nach 10 Jahren finde ich es toll, wenn ich sehe, wie uns auch andere Bands teilweise gegenüber treten, und dass so eine Art von Respekt da ist. Wenn mir jemand Respekt zeigt, kann ich ihm auch Respekt entgegen bringen. Das haben halt viele Leute heutzutage verlernt: „Eh Alter“ und so, aber kein A.-Loch weiß mehr, was Respekt ist, aber ich gehöre halt noch zur alten Schule.  

Ja, das sind einfach schlichtweg Werte, die man hat. 



Gibt es irgendwas,
was Ihr an die Fans loswerden wollt?
 

Dextro:  Unsere Danksagung im Booklet,  die erste Danksagung, die ausgesprochen wird, ist, ganz klar, an die FANS gerichtet. Wir haben die besten Fans. Das behauptet zwar jede Band,  aber … 

…ihr habt sie, das ist der Unterschied. 

Dextro: Genau! Und wir meinen das ernst!!! Die Fans, also unsere Fans, sind sehr treu. Wir haben die besten Fans und wir sind glücklich, solche Fans zu haben! Es gibt immer Leute, die mal gehen, wenn ihnen die Richtung  nicht mehr passt. Das ist auch alles o.K., aber wir haben sehr geduldige Fans und wir haben Fans, wie soll ich das sagen, ohne jetzt was Falsches zu sagen? Wir haben Fans, die clever sind. Ich hab eines gemerkt, ich mach seit über 30 Jahren Musik und die Zeiten waren mal ganz anders. Mittlerweile ist der Fan an und für sich wesentlich schlauer geworden.  Er erkennt heutzutage viel, viel schneller, wenn man es ernst meint. Damit meine ich den dauerhaften Fan und nicht den, der heute kommt und morgen wieder geht, weil er jetzt mal einen Mainstream-Kick bekommen hat. Wir haben eine Fangemeinschaft, die sehr clever ist, und uns direkt auch sagt, wenn es mal nicht so toll war. Ich meine jetzt nicht die Leute die sagen „ eh Rockprogramm ist Scheiße“. Das haben wir jetzt in Velbert auf dem Markt erlebt. Wir haben Fans, die mit uns Klartext reden und es nicht auf ein niveauloses Ding bringen, sondern, die konstruktive Kritik haben, oder die einfach auch sagen: „Wir gehen jeden Weg mit Euch“.  

DesDemonia: Also, jedem,  der das T-Shirt „fett, hässlich und asozial“ trägt, kann ich nur sagen: DAS IST EIN FAN VON MIR. Das muss ich ganz ehrlich sagen, weil alleine dieses Statement herum zu tragen und ehrlich zu wissen, was es bedeutet, dass ist einfach ne GRÖßE. Jeder Fan ist einfach groß, den wir haben und den wissen wir zu schätzen. Es ist eine Sache, die uns ehrt. Es sind so viele Leute, mal ein Grüppchen hier, ein Grüppchen da,  aber, wenn wir auf der Bühne stehen, sind sie Alle wie ein riesengroßer Pulk der vor uns steht. Dann schmeißt Du einfach Deinen Dudelsack an und trittst an den Bühnenrand und Du guckst einfach „drüber“ und schmeißt Deine Melodie über diese Leute und fühlst Dich gut. Das ist einfach ein geiles Gefühl. Die Musik legt sich wie ein Schleier über diese ganze Gruppe und sie sind alle da! Das ist das schönste Gefühl, was man haben kann und was mein Inbegriff von FAN ist.  

Dextro: Das ist halt 1:1, Du schmeißt den Leuten einen Ball zu, sie schmeißen Dir den Ball zurück und das klappt mit unseren Fans hervorragend. Du gibst Energie nach draußen und die Energie kommt postwendend zurück. Hierdurch funktioniert das ganze Ding und so sind wir in den ganzen 10 Jahren nicht ein einziges Mal „abgeschmiert. Das geht immer wieder darum: Den Ball werfen und die Leute werfen ihn zurück und das spricht wieder einmal für unsere Fans. DAS IST EINFACH NUR DER HAMMER! Wo Du einfach nur sagst: „das läuft“, das ist Energiefluss. Das ist bei einem Konzert kompletter Energiefluss, es ist alles super und Du weißt,  Du schickst die Leute mit einem guten Gefühl in die Woche. Weißt Du, wenn sie sagen „boh, das hat mir richtig was gebracht“ und wir bekommen ja nun auch viele Zuschriften. Ich finde das super geil, dass da auf einmal Leute schreiben „Danke, Du hast mir in meinem Leben geholfen“.  Ich meine, ich kann das nur erwidern, weil die Fans mir auch in meinem Leben geholfen haben. Weil Du bist ein Teil dieser Allgemeinheit. Schelmish ist halt dieses „Gebilde“, wir können nicht ohne die Fans funktionieren, wir wissen sehr wohl, was das bedeutet. Und nochmals: Wir haben die BESTEN FANS!!!! 

DanielSan: Das sagt auch das letzte Stück der neuen CD sehr gut aus! Das fasst Alles zusammen.  

DesDemonia: Also, man merkt zum Beispiel auch, dass man irgendwo eine Verantwortung den Fans gegenüber hat. Es ist irgendwie wirklich so, wenn man in Krisen steckt zum Beispiel, man zieht sich einfach zurück und überlegt: „ Was würde ich eigentlich anrichten, wenn ich sagen würde: Hmmm, ich mach jetzt keine Musik mehr, ich hör jetzt mal auf“, ich meine,  Du würdest so vielen Menschen das Herz brechen.  

Die Fans treiben Euch auch? 

DesDemonia: Sie fordern uns auch, sie fordern uns eindeutig. 

Dextro: Das ist halt ein Punkt, den wir auch sehen.  

Picus: Man sieht es teilweise auch von „hinten“, wie die Leute sich so 10 Minuten vor einem Auftritt vor der Bühne zusammen rotten.  Es ist aber total schön, weißt Du.  

DesDemonia: Ja, wir freuen uns dann immer. 

Picus: Sie versammeln sich und warten dann auf den Moment, wo Du das erste Lied spielst. Du merkst dann in dem Moment auch, o.k., dass ist jetzt der Moment, wo die Fans, egal ob Mittelalter oder Rock, alles vergessen, was sie so im Alltag erlebt haben, so nach dem Motto: „scheiß auf die Sorgen, scheiß auf das Geld oder irgendwas“. Sie sind da, um einfach Spaß zu haben! Und genauso ist es bei uns auf der Bühne, auch wir wollen alle Spaß haben. In diesem Moment bringen wir das auch voll nach Außen, und das macht das Hin- und Her Spiel aus, was Dextro auch meinte, mit diesen „Bällen“, die da hin- und her gehen. Jedes Mal, wenn Du von der Bühne kommst, ist es, als hättest Du gerade ne ganze Palette „Red Bull“ gesoffen, was aber nur daran liegt, dass die Leute Dir das gegeben haben! 

Dextro: Du hast doch nie „Red Bull“ gesoffen. Was erzählst Du da? 

*großes Gefasel, mit Gelächter gemischt*. 

Und DesDemonia kämpft sich durch: 

Es geht bis nach Schweden und England, die wollen auch, dass wir kommen, da haben wir auch ganz viele Leute. 

Ich denke mal, die sind ja richtig heiß drauf, denn die kommen ja leider nicht so oft in den Genuss und werden ja richtig in Scharen heranströmen? 

Dextro: Du gibst den Leuten irgendwo was, die geben Dir was, das ist das große, große Ganze. Das sind wirklich eine Stunde oder eineinhalb Stunden Freiheit.

Und das geht uns genauso, sonst wäre es nicht machbar. Es ist halt, wie ich es vorhin schon gesagt habe, die sehen halt, dass es ehrlich ist.  Wir müssen uns da nicht verstellen oder irgendwas, sondern wir gehen da einfach auf die Bühne und gut ist. Ich glaube, dass ist einfach wichtig, um zu versuchen, die Welt auch ein wenig zu verändern, aber das kann kein Schwein. Man kann die Welt nur im Kleinen ändern. Das ist halt das, was auch die Band will: Den Leuten einfach was zu geben, denn wir leben in einer unsagbar kurzlebigen Zeit.  Das ist so, wie „Silbermond“, singt „in der kurzlebigen Zeit“. Das ist ein Song, auf den ich eigentlich abgrundtief nicht kann, aber ich habe den Text gehört und der ist irrsinnig geil. Er beschreibt eigentlich alles beschreibt, was es zu beschreiben gibt -  wir leben eben in einer kurzlebigen Zeit, einer harten Zeit! Also gib den Leuten einfach was Beständiges. Gib den Leuten zumindest so einen Teil ihrer Freiheit zurück, den sie teilweise gar nicht mehr fühlen. Ich meine, das gilt auch für uns, wir geben  ihnen den Lebensmut wieder. Du glaubst gar nicht, was es ausmacht, 2 Stunden  „Freiheit“ zu geben. Das bringt Dich ohne Probleme durch die ganze Woche. Du musst das halt richtig für Dich anwenden. Das ist vielleicht ein Teil, den wir irgendwo zum „Ändern der Welt“ beitragen. Wir wollen etwas verändern, so dass es halt nicht so kurzlebig und nicht so oberflächlich ist, sondern den Leuten einfach ein gutes Gefühl geben. Und ich glaube, das schafft die Band. Außer bei den vollkommen Hoffnungslosen, die halt nur am pupen sind. Ich meine ich sehe das ja teilweise in der Presse, wo ich halt sage, das sind verkannte „Sesselpuper“. Das sind Musiker, die haben es nie zu was gebracht, sind dann irgendwann mal in den Journalismus gegangen, ohne Ausbildung ohne Alles, müssen alles „anpupen“, was irgendwie Freiheit verkörpert. Das waren früher die größten Hippies, aber in Wirklichkeit wohl doch nicht. Das waren einfach Arschkriecher und sind am Schluss als Sesselpuper gelandet. Da kann man machen was man will. Wir wollen einfach Leute erreichen, die Spaß haben. 

Es kommen wirklich viele Mails, die mir in meinem Leben wieder Mut geben. Das ist ein tolles Gefühl. Ich empfinde meinen Fans gegenüber eine große Verantwortung, so dass ich gar nicht aufhören möchte. Ich bin teilweise für manche Leute ein Vorbild. Das soll jetzt nicht arrogant klingen, ist aber so, man liest das in den Mails. Das sage ich auch immer zu der Band, überlegt Euch doch mal, was Ihr da habt – Verantwortung  ist ein teures Gut!

Wer trägt denn heute noch Verantwortung? Wer hat noch gewisse Wertvorstellungen? Und das ist halt alles ein Teil von Schelmish und der schelmishen  Philosophie…  

Vielen Dank, dass Ihr Euch so viel Zeit für uns genommen habt! Wir freuen uns auf das Album und die Tour und wünschen Euch viel Erfolg und vor allem Spaß!  

 

Weitere Interviews

Interview zur CD "Die hässlichen Kinder"

Interview mit DanielSan und dem Hai