Interview mit den Schelmen am 12.08.2009


Ja, erst mal Danke, dass wir hier sein dürfen heute Abend. Das ist wirklich eine schöne Sache. Ihr habt uns eingeladen, heute Abend mit Euch ein Interview über Eure neue CD „Die hässlichen Kinder“ zu führen. Jetzt fragen wir uns natürlich ganz gespannt, wie seid Ihr auf den Titel gekommen; was hat Euch denn dazu inspiriert?  

DesDemonia: Inspiriert wurden wir durch eine Aussage von unserem Booker, der  meinte, eine Mutter würde ja auch ihr eigenes Kind nicht als hässliches Kind bezeichnen. So kamen wir dann auf die Idee, da hat er vollkommen recht, wir finden die CD schön und nennen sie einfach „Die hässlichen Kinder“.  

Also ist die „hässlichen Kinder im übertragenen Sinne gemeint? 

Es ist eigentlich im positiven Sinne gemeint, weil jedes Kind ja in irgendeiner Form schön ist.  

Wir sind natürlich auch ganz gespannt, wie viele Stücke auf der CD drauf sind? 

DesDemonia: 14 Stücke, wovon wir wieder zwei Balladen haben. Auch ein  Mittelalterstück ist dabei, und zwar Clansmen, was wir ja auch schon spielen mit den schottischen Pipes  - also instrumental. Dann haben wir noch ein weiteres instrumentales Stück,  Goresh heißt das. Das ist aber mehr so EBM-mäßig mit Schalmeien. Wir haben ansonsten wirklich harte Rockstücke darauf, auch wieder gemischt mit Punk-Einflüssen, Rock-Einflüssen und Metall-Einflüssen, wie man das schon kennt. Es ist also wieder einmal keine Linie und das ist die Linie.

Also im Grunde eine logische Weiterentwicklung von  der „Wir werden sehen“?
 

DesDemonia: Ja, aber wir haben uns diesmal textlich sehr aktuelle Themen genommen. Nicht alle sind auf das Kinderthema bezogen. Wir haben zwar auch ein Stück drauf über die Kinderkreuzzüge, das 1212 heißt.  Da fanden ja damals die Kinderkreuzzüge statt. Das passt natürlich zum Kinderthema. Aber ansonsten haben wir uns eigentlich auch sehr an zeitnahe Themen gehalten und auch an Themen, die wichtig sind für Menschen unserer Zeit, die aber eigentlich ja auch schon immer galten. Die Menschheit ist ja nicht neu! 

Ist dieses „1212“ denn auch kritisch gehalten?  

Dextro: Nein … überhaupt nicht … gar nicht…. Wir befürworten das sehr …  

*Großes Gelächter* …wegen der Stimme aus dem Hintergrund.  

Dextro: Natürlich ist es kritisch!!!!!  

Hai: Halbwegs  *grins* 

Habt Ihr auch wieder so ein Stück drauf wie den“ Herrn Niemand“?  

Die Schelme im Chor: Ohhh jaaaa …  

DesDemonia: Die Presse kriegt wieder ihr Fett weg.  

Der Hai: Das ist „Herr Niemand deLuxe “  

DesDemonia: Dieses mal heißt es nicht „Herr Niemand“ sondern „Boulevard“ und ist wirklich wieder ein Breitschuss gegen die Presse. 

Der Hai: Ist das kritisch??? *grins*  

DesDemonia: Das ist durchaus kritisch ;-)) 

Dextro: Das Stück ist gegen einen Teil der Presse, die gegen uns sind. Da haben wir gesagt, wir sind gegen sie … und Feierabend!!  

Das ist ja eigentlich nur konsequent, in Eurer Art ehrlich,  das zu sagen was Ihr denkt und was Ihr erlebt habt.  

Dextro: Dazu muss man sagen, das Album ist im großen und Ganzen von A bis Z vom Ersten bis zum vierzehnten Stück ein konsequentes Album, das heißt also, wirklich Stück für Stück, arbeitet gewisse Sachen auf, die passiert sind. Im letzten Jahr oder in den letzten 1 ½ Jahren, sowohl textlich als auch von der Musik her, ist es wesentlich rockiger. Die Sackpfeifen werden nicht mehr so in den Vordergrund gestellt wie sie sonst. 

DesDemonia: Da sind aber sehr schöne Passagen drin.  

Sie behalten aber durchaus ihren Stellwert?  

Dextro: Ja, sie behalten durchaus ihren Stellenwert, aber wir legen momentan Augenmerk auf mehrstimmigen Gesang.  

Mehrstimmigen Gesang? 

Dextro: Ja, und wir legen halt Hauptaugenmerk im Moment auf zwei Gitarren, da wir auch zwei Gittaristen haben, wobei wir beide Gitarren auch ausspielen, was wir ne Zeit lang überhaupt nicht getan haben. Aber dazu sollten wir doch gleich mal die Jungfraktion fragen, die lachend in der Ecke sitzt. Daniel San zum Beispiel .. vielleicht hat er was dazu zu sagen.  

Daniel San: Also ich kann dazu sagen, dass ich jetzt versucht habe,  seit Anfang des Jahres, mich so gut wie möglich einzubringen. Mir war es halt auch wichtig, dass wir die Gitarren trennen, und dass wir nicht immer dasselbe spielen und wir einfach so gut wie möglich die Gitarren einsetzen.  

Ihr habt also wieder als ganze Band an dem Album gearbeitet? 

Dextro: Ja, das kann man so sagen.  

DesDemonia: Wir haben sehr viel vorproduziert. Also,  dass heißt, wir haben alle Stücke eigentlich hier bei uns im Proberaum vorproduziert, aufgenommen und ausgearbeitet, bis auf die Texte. Wir gingen also mit der kompletten Musik ins Studio und haben da dann eingespielt, was wir hier schon entwickelt hatten. Durch den Tod von Dextros Mutter hatten wir dann auch einen sehr großen Einbruch. Wir mussten oft verschieben und haben dann auch erst einmal einen Gang zurückgeschaltet, weil da ging gar nichts mehr. Dann kam dann auch noch die Sache mit dem Haus dazu und das waren echt dann so heavy Dinger, wo wir uns  gesagt haben, wir legen das Ding erst mal zwei Monate  ad acter und dann fangen wir wieder von vorne an. Als dass dann lief, kam dann auch echt irrsinnig viel Input und Inspiration, weil wir uns auch wieder konzentrieren konnten und der Kopf war dann auch wieder frei. Man merkt das also – Inspiration hat viel mit der Außenwelt zu tun und ob man die Ruhe hat oder nicht.

  

Dextro: Das Problem war auch, im Dezember hatten wir die ersten Stücke eingespielt. Ich glaub, 25 Stücke haben wir insgesamt bearbeitet. Und dann, wie gesagt, durch den Tod meiner Mutter fielen dann die Texte weg. Rimsbold war total ausgebrannt und hat im Endeffekt nachher nur noch an zwei seiner Stücke gearbeitet. Das ist auch alles, was diesmal auf der CD von Rimsbold drauf ist. Zwei Stücke von ihm einmal „Überladen“ und einmal „Mosaik“ und bei dem Rest kam er einfach nicht weiter. Und wir haben im Studio dann wie gesagt erst mal vier Monate alles ruhen lassen, nachdem die Zeit ganz hart wurde. Ab Mai bin ich dann wieder ins Studio gegangen und habe Texte geschrieben. Unser neuer Basser hat dann auch noch einige Baselines neu eingespielt, da wir mit den alten Baselines einfach nicht zufrieden waren. Wir haben einige Gitarrenspuren erneuert, weil Marquis de Guise nicht mehr dabei ist. Ein paar Tracks wurden dann komplett verworfen. Die haben wir uns einfach zurückgestellt so für´s übernächste Album oder so. Wir haben noch drei nagelneue Stücke geschrieben, die dazu gekommen sind. Im Endeffekt war zumindest ich, zwei Monate noch mal komplett im Studio. Der Basser dann halt so immer mal zwischendurch. Er hat seine Tracks eingespielt und auch der Gitarrist war noch mal neu drin. Also der einzige, der nicht mehr rein musste, war der Schlagzeuger, denn da stand bis auf die neuen Stücke, die noch dazugekommen sind, alles.  Rimsbold ist dann auch noch für seine zwei Stücke rein gegangen und das war´s.

  

Wie lang habt Ihr jetzt insgesamt an dem Album gearbeitet?  

Dextro: Also insgesamt gearbeitet haben wir fast zweieinhalb Monate, also zweieinhalb Monate produziert.  Insgesamt gearbeitet haben wir daran bestimmt fünf Monate. Angefangen haben wir letztes Jahr im Oktober, dann im Oktober/November die Stücke fertig geschrieben, aber wie gesagt ohne Text – also Rohbauten. Die Rohbauten waren so gut, dass wir gesagt haben, wir spielen die direkt ein, da wird uns textlich schon noch was einfallen. Aber wie gesagt, es kam anders, als wir gedacht hatten. Es war auch lange fraglich, kommt das Album jetzt raus oder nicht, weil ich halt nen vollen Durchhänger hatte und Rimsbold auch. Irgendwann hat die Muse dann voll zugeschlagen. Das kam wirklich irgendwann früh morgens, wo man sich gezwungen hat, und hat sich einfach an den Frühstückstisch gesetzt und gesagt, so, heute werde ich weder am Haus arbeiten noch sonst mich um irgendwas kümmern. Ich setz mich jetzt einfach ran und hör mir nen Track immer und immer wieder an.  Dann hab ich vier Stunden immer wieder nur Passagen von demselben Stück laufen lassen, und auf einmal hat´s Klick gemacht. Dann lief das auch zwei Monate richtig gut. Dann wurden Texte noch mal umgeschrieben, weil wir dann doch nicht zufrieden waren. Wir hatten noch mal neue Ideen und haben gesagt, nee, dass geht aber noch besser. Dann haben wir, wie gesagt noch mal zwei Lieder neu eingespielt in ner anderen Tonart, damit es vom Gesang her auch passt. Irgendwann war´s dann so, dass man sagt, dass war prima. Ich glaube wir hatten insgesamt 16 Stücke stehen, die fertig sind, aber alle werden wir nicht veröffentlichen. Die halten wir einfach wahrscheinlich wirklich fürs nächste Album und haben noch 9 oder 10 Stücke an denen wir jetzt für´s nächste Album arbeiten können.  

Das heißt, Ihr seid also schon quasi in „Vorproduktion“.  

Dextro: Wobei es kann durchaus passieren, dass die Stücke nie veröffentlicht werden, weil man sagt, wir haben jetzt ne viel bessere Idee. Das ist halt einfach so ne Entwicklung und wir gehen ja nie weit im Voraus ran, dass wir sagen, so, wir machen das jetzt fertig und das kommt aufs nächste Album. Wenn es gut ist, kommts auf nächste Album und wenn nicht, dann ist es halt ne verworfene Idee und mal schauen, was damit passiert. Wir schleppen jetzt ein HipHop Stück seit fünf Jahren mit uns rum und ich dachte, es kommt jetzt endlich mit auf die CD, aber es kam auch diesmal nicht mit auf die CD, weil einfach Sachen da waren, wo wir gesagt haben, die sind besser und da hat man auch eher nen Texteinfall. Für die anderen Stücke ist es halt noch nicht die Zeit.  

Schade … Das wär doch wieder mal so´n Ding gewesen für nen Hidden-Track, oder nicht?  

Dextro: Nee, wir haben auch diesmal wieder keinen Hidden-Track draufgesetzt. Wir sind ja jetzt bei Napalm und da gibt es halt ganz klare Richtlinien – jetzt nicht von der Musik, weil die ist uns frei.  

Wir sind ja sonst, was die Spielzeit unserer CD´s anbelangt, immer an die absolute Endzeit rangegangen. Diesmal haben wir gesagt, wir bleiben bei 60 Minuten. Das Album ist 59:58 lang mit 14 Stücken. Kürzer wollten wir es auf keinen Fall machen, aber ich sag auch, länger bringt auch nix. Besser geballte Power und die Leute sagen, schade, dass es schon zu Ende ist. Ich meine … man muss mal abwarten, was die Leute überhaupt sagen. Für uns ist das ein Ding, von dem wir sagen, es ist ein gutes Konzept. David hat die ArtWork dafür gemacht und die ist richtig anständig geworden. Er hat wirklich gute Ideen gehabt. Picus hat ihm da zugespielt, und es ist einfach ein rundes – wie nennt man es so schön – Produkt.  

Wie seid Ihr auf die Idee mit dem Cover gekommen?  

Dextro: Wir hatten halt viele Ideen. Am Anfang hatten wir gedacht einfach was im Sandkasten zu machen … Schelmish halt im Sandkasten. Danach war die Idee mit nem Kind im Sandkasten – verschmiert mit Dreck. Dann hatten wir eigentlich ne ganz gute Idee, dass wir gesagt haben, wir nehmen ein Kind in den Vordergrund, leicht verschwommen und im Hintergrund lauter graue Menschen und setzen das unter Feuer. Das hat aber dem Label nicht gefallen. Und dann haben wir gesagt, wir sind das jetzt so langsam satt. Wir wollten nen Eyecatcher haben, so wie das Auge von der letzten CD und dann kam die Idee, warum nicht ein Verbotsschild mit 8 Leuten – die wir im Rock ja auch sind – und packen die da rein . Diese Männchen sind auch durchweg in dem Booklet vertreten in abenteuerlichen Positionen und es ist eigentlich ne ganz coole Sache. Am Anfang haben alle gesagt, boah, was ist denn das für ein Cover, was soll das? Wie ist denn Schelmish jetzt drauf? Schelmish ist genauso drauf wie vorher. wir gehen halt die grade Linie die wir eingeschlagen haben durch. Es ist eine  konsequente Weiterentwicklung. Ob die Fans es auch so sehen, muss man abwarten. Es wird wahrscheinlich auch bei diesem Album so sein, wie bei „Wir werden sehen“, dass die Leute erst mal vier, fünf, sechs Mal reinhören müssen, um überhaupt mitzubekommen, was wir da erarbeitet haben. Das Album ist wesentlich intensiver, als jedes Album, was wir vorher geschrieben haben. Es ist das erste Mal, dass ich sage, die Texte sind einfach richtig tief und sehr direkt. Sie lassen zwar immer noch das zwischen den Zeilen lesen zu, aber es sind halt gradlinige und tiefgründige Texte.  

Also so, wie man es ja immer schon von Euch kennt. Ehrlich .. Herr Niemand & Co. waren ja immer Texte, die geradeaus …  

Dextro: Die waren immer gerade aus. Das auf jeden Fall. Aber diesmal haben wir uns halt besonders viel Mühe gegeben. Also auch nicht immer direkt den ersten Gedanken angenommen sondern haben gesagt, oh, da kann man noch ein bisschen dran feilen. Das war sehr interessant so an der CD zu arbeiten. Und wer sich halt auch immens eingebracht hat in die CD ist Daniel San, und das war eigentlich ganz nett. Der ist zwar sonst zu nichts zu gebrauchen *gelächter*, aber das hat er gut gemacht.  

Hai: Er kann am besten den Kopf schütteln von uns allen. Bei mir ist das schlecht. Ich bleib dann immer mal so hängen.  

Kennt Ihr schon den Veröffentlichungstermin?  

Dextro: Der ist heute rausgekommen. Wir veröffentlichen am 30. Oktober – genau pünktlich zum Tourstart kommt die Scheibe raus.  

Flächendeckend bundesweit in die Läden?  

Dextro: Wahrscheinlich europaweit  

Damit wir auch alle in die Läden stürmen können und kaufen können.  

Dextro: Ja, dass hoff ich doch sehr.  

Du sprachst gerade die Tour an. Habt Ihr Euch für die Tour auch irgendwas besonderes überlegt? 

Dextro: Wir sind vor zwei Jahren das letzte Mal auf Tour gegangen und haben immens Licht aufgefahren und ähnliches, weil wir gesagt haben, das wollen wir auch mal machen.  Aber wir haben festgestellt, dass das vielleicht doch ein wenig zu viel war. Das war zwar schön und alles ganz toll aber, wie gesagt, wir werden diesmal auf Tour gehen ohne jeden Schnickschnack. Wir werden wahrscheinlich zwischen sechs und acht Stücken von der neuen Scheibe spielen. Den Rest wird man auch hören, denn wir werden diesmal die Setlist jeden zweiten, dritten Abend ändern, dass man immer mal ein wechselndes Programm hat.  

Also Schelmish pur …  

Dextro: Einfach pur, so wie es halt bis jetzt auch gelaufen ist, weg von jedem Schnickschnack.  

Hai: „PUR“ genau.  

Du hast auch gute Ideen ;-) Willst Du uns vielleicht auch mal was erzählen über die neue CD?  

Dextro: Ich glaub, er möchte Euch was erzählen, wenn er am Anfang von der Tour in einem Sandkasten auf die Bühne gezogen wird…

allseitiges Gelächter…  

Dextro: … mit seinem großen Förmchen, schwarzen Schuhen und seinen wunderschönen Strapsen.

Auf so was haben wir doch gewartet.  

Dextro: Nein, es wird nichts dergleichen geben. Wir werden die Tour ganz normal fahren uns sehen, was die Leute überhaupt zu der Tour sagen. Vielleicht überlegen wir uns im März noch mal nachzutouren und dann zu sagen, ok, jetzt werden wir den einen oder anderen Gimmick einbauen. Die erste Tour die gefahren wird, wird ne ganz normale Tour.  

Wie sind denn so Eure Erwartungen, wie die Leute reagieren?  

Dextro: Also die Leute, die die „Wir werden sehen“ gut gefunden haben, werden das neue Album auch gut finden, davon gehe ich aus. Die Leute, die vorher mit Rock nichts anfangen konnten, werde nach wie vor auch mit der Scheibe nichts anfangen können, das ist klar.  Wir warten ab, was die Leute dazu sagen. An der Musik gibt’s nicht viel zu mäkeln. Es ist nicht ganz so hardcore-mäßig, also nicht so viele harte Sachen drauf wie „Blitz“ oder wie „Wir werden sehen.“ Klar gibt es auch harte Stücke, aber nur so eins oder zwei.  

Daniel San: Drei  

Dextro: Ja, drei, stimmt: Mosaik und Überladen. - die beiden Stücke von Rimsbold sind heavy und 1212 auch. Der Rest ist halt sehr punkig.  

DesDemonia: Zwei englische Stücke haben wir auch. 

Dextro: Genau, zwei englische Stücke sind auch dabei. Eins werden wir wahrscheinlich auch live aufführen. Wir müssen aber noch die Auswahl treffen, was wir definitiv live spielen werden – vier Stücke sind aber schon absolut klar.   

DesDemonia: Zwei Gastsängerinnen  haben wir auch dabei.  

Das hört sich ja sehr interessant an.  

Dextro: Ja, einmal die Simone, die auf den letzten Alben immer mal ein Stück mitgesungen hat, und dann als zweites die Katja. Das ist der Ingo in weiblich, also unser Basser in weiblich, wenn er sich mal verkleidet.  

Hai: Das ist meine Kopfstimme.  

Dextro: Ja, *lach* das ist Deine Kopfstimme. Nee, das ist die Freundin vom Hai, die hat ein Stück  - „Strangers“ - mitgesungen. Da ist ein sehr schönes Lied geworden. Katja hat eine hervorragende Stimme, das kann man nicht anders sagen. Das gibt dem Stück eben so den letzten Schliff um es wirklich schon aufzupeppen. Es war auch eine schöne Arbeit mit ihr im Studio.


DesDemonia: Gemastert haben wir diesmal auch woanders.  

Dextro: Aufgenommen haben wir bei Sven wieder in der Klangfabrik, da werden wir auch so schnell nicht weg gehen. Gemastert haben wir diesmal, weil der Sebastian  aufgehört hat und nicht mehr mastert, bei  Monoposto. Nachdem wir die Referenzliste gesehen haben, haben wir gesagt, das ist schon ziemlich hart und heavy. Die machen unter anderem „Tote Hosen“, „Wir sind Helden“, also eine Referenzliste bis der Arzt kommt. Der Hai und Sven waren beim mastern dabei, wir  anderen waren zu dem Zeitpunkt in Schweden. Die beiden haben dann zwölf Stunden gemastert und das hat das ganze Ding dann noch mal so was von hochgekitzelt, also richtig rund und schön gemacht. Man merkt halt wirklich, da steckt ne Masse Erfahrung hinter und das haben wir auch nicht bereut. Die Pressefotos haben wir auch bei nem richtig guten Fotografen machen lassen bei „Angst im Wald“ . Und die sind sehr gut geworden.

Im Cover ist ein Bandfoto allerdings ohne Rimsbold, weil er zu dem Zeitpunkt nicht konnte. Den konnte man leider nicht mehr reinretouchieren so als kleine Sonne, das ging leider nicht. Das ist natürlich blöd.  Es sind vier Szeneshotings gemacht worden, die auch alle im Cover drin sind. Man merkt schon, dass da jemand dran war, der richtige Ahnung hat und der durch Beleuchtung und Ideenreichtum da richtig was rausgekitzelt hat. 

Also haben wir auch optisch wirklich was zu erwarten.  

Dextro: Ja, auf jeden Fall.  

DesDemonia: Musikalisch sind in dem Album irrsinnig viele Sachen drin, wie Rock und Techno und auch elektronischen Sachen. Das groovt jetzt so richtig, aber man noch einen draufsetzen – da geht noch mehr.  

Dextro: Was bei dem Album sehr spannend war, war festzustellen, schafft es die Band auch ohne Rimsbold. Das war wirklich sehr wichtig. Rimsbold war – weil er halt die Krise hatte -  nur bei seinen zwei Stücken involviert. Die Band hat auf die Situation hervorragend reagiert. Es kamen dadurch Einflüsse in die Musik, die vorher halt nicht so waren. Rimsbold hatte die meisten Stücke auf den Alben geschrieben und das war alles super gut, alles prima. Und jetzt war zum ersten mal so´n  Ding, wo wir uns freischwimmen mussten und wir uns auch gefragt haben, was passiert denn jetzt überhaupt. Wir müssen einfach sehen, was jetzt geht, und auf einmal ging es. Da  kamen Einflüsse vom neuen Gitarristen, da kamen Einflüsse vom Schlagzeuger, da kamen Einflüsse vom Bassisten, da kam Luzi so von hinten aus der Ecke raus. Wir haben einfach gesagt, wir machen das, was uns Spaß macht. Wir setzen uns zusammen, wir haben hier teilweise rumgejammt und dann stand auf einmal ein Song. Es war einfach nur der Hammer. Bei den letzten Auftritten hat Rimsbold das auch so und kriegt auch wieder Bock. Er arbeitet auch wieder befreiter und hat halt nicht mehr den Druck. Rimsbold war vollkommen ausgebrannt und wir wussten halt auch nicht, wie geht die Saison weiter. Wir haben die Saison ohne ihn angefangen. Aus dem Mittelalter ist er jetzt ganz ausgestiegen. Wir fühlen uns mit der MA-Besetzung sehr glücklich und sehr wohl. Kann sein, dass sich da noch was ändert, das wir noch was dazunehmen nächstes Jahr. Mal schauen, was passiert. Aber Rimsbold wird nie wieder Mittelalter machen. Es war halt die Frage, macht er den Rock weiter. Wir wussten halt nicht, was kam und dann kam der Trommelfellriss von ihm, was für uns n richtiger hardcore Tritt in die Eier war, auf Deutsch gesagt.  

Picus: Das war auch ein Test.  

Dextro: Wir mussten vier Auftritte, glaub ich, ohne ihn spielen. Davon waren  zwei ultrawichtige Festivals dabei und wir wussten nicht, wie kommt das an. Dann haben wir uns einfach gesagt, ok, wir können nur das besten draus machen und gehen unseren Weg und es hat geklappt. Also WGT z.B. ohne Rimsbold - das war totales Kontrastprogramm. Lauter schwarze Leute vor der Bühne und wir haben gesagt, wir spielen heute nur unser punkigsten Songs. Entweder gehen wir baden und werden beschmissen oder wir gehen da ab wie ne Rakete. Und wir sind abgegangen wie ne Rakete – das Volk war super toll drauf. Und dann kam Rimsbold dann auf den ersten Auftritt nach dem Trommelfellriss wieder mit und es war super entspannt. Er hat wieder Blut geleckt und wir müssen einfach mal schauen,  wie es weiter geht. Bis Endes des Jahres will er weiter machen und er muss mal nächstes Jahr schauen, wie es ist, denn er wird sich auch hier und da beruflich etwas umorientieren. Aber, ich glaube, wir haben ihn wieder gefangen und man kann sagen, geil, er ist wieder dabei und das ist ok und es läuft halt n gutes Kontrastprogramm. In der Zwischenzeit hat der Rest der Band einfach an sich weitergearbeitet.  

DesDemonia: Wir haben so ne Phase gehabt, wo wir selber irgendwie uns auch befreien mussten. Wir haben uns eigentlich, und das war auch sehr hilfreich, dass David dabei war, weil der David auch viele gute Sachen so beobachtet. Er hat gesagt, meine Güte, dann definiert Euch einfach neu. Erfindet Euch neu. Ihr seid doch immer noch ihr und ihr seid doch immer noch diejenigen, die das wollen, dann müsst ihr das einfach schaffen. Und erfindet Euch einfach neu.  

Dextro: Ja wir haben uns aber nicht neu erfunden, sondern wir haben einfach den Spaß zurückbekommen.  

Picus: Die Pressefotos sind halt genau in der Zeit entstanden, wo noch nichts klar war. Der Fototermin stand, und wir mussten das so machen – ohne Rimsbold. Soll aber nicht heißen, dass er nicht dabei ist. Ich hab gerade heute in myspace ne Anfrage dazu beantworten: So wie es aussieht, wäre das ja jetzt wohl beschlossene Sache und da hab ich halt zurückgeschrieben, es ist überhaupt nicht beschlossene Sache. Es gibt keine Sache. Es hat Gründe, weswegen Rimsbold nicht mit auf den Fotos drauf ist, aber das sind nicht die Gründe, die man vordergründig sieht, oder meint zu sehen. Er ist nach wie vor ein Teil der Band. Und man kann sagen, jetzt in den letzten Wochen, in denen ich das beobachtet hab, noch stärker denn je. Ich hab so das Gefühl, dass das der Band auch gut tut, zu wissen, dass er wieder dabei ist, und das war er halt ne ganze Zeit lang nicht mehr, weil er halt viele private Probleme hatte. Aber wie gesagt, alles ist in Ordnung.

 

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